Nacht der jungen Lyrik

Am 19. September 2021 wurden in der Christianskirche Ottensen drei Poet:innen von der Shortlist mit Preisen ausgezeichnet. Der erste Preis (1500 Euro) ging an Charlotte Florack (18) für „apfelstiegen“, der zweite (1000 Euro) an Ronya Othmann (28) für „garn, zwirn, faden, stich“ und der dritte (500 Euro) an Eva Burmeister (26) für „Eingeweicht“.

Die ersten Trägerinnen des Klopstock-Preises für junge Lyrik: Eva Burmeister, Charlotte Florack, Ronya Othmann (Foto: Nicole Malonnek)

Die Kandidat:innen der Shortlist

Alexandra Huth

Echo ich möchte mich wiederholen an diran dir abprallen und taumelnder Widerschein deines Körpersseinoder nicht sein am Endeder versunkenenDoppelgestalt, die wir sind,wenn du wiederkommst undmeine Augen füllst,meine Haut überstreifst undmein Echo bistso dass ich mir Antwort geben kann

Weiterlesen

Martin Dakovic

Hymne Eins Eins und bleich in seiner unvermischten Bewunderungschien blind, stumm, gefühllos, taktlos innbewaffnetjungsendlich, schöns bis das Wischwisch ihres Schischimit dem dunklen Tieftief seines Sehschonsagen verschmolz wobei er seine taschenleere Yacke in Eile hinterherzogEr und seine Gabe des Quasselns von den Eingeweiden:Han! Vorg! Nau! Pater! Brüf! Phal! Skam! Schams! Scham!Und…

Weiterlesen

Lucia Lucia

Der Boomerang-Effekt meiner Angst Ich sehe was, was du nicht siehst,und das ist die Menge aller Dinge,die rein theoretisch schiefgehen könnten. Zum Beispiel dass es den Einen gibtund ich weiß es nicht,weil ich bei dir binund ihn verpasse, oder dass du der Eine bistund ich begreife es nicht,bis es an…

Weiterlesen

Liz Preuss

Fadenzug Sanft ziepten sich unsre Leben zusammenJedes VersprechenWar Kurzware, stecknadeligAngenäh(er)te VerbrechenIch liebte dich einen Ärmel lang.Nachts lagst du auf meinem NadelkissenVoller ÜbermutUmgarntest mich, wollüstigTrug ich den FingerhutNie wollt‘ ich von Stichen wissen.Unsere Maschen lockerten sichOhne AbschlüsseVerstrickt, nahtlosFüllte ich den Stopfstrumpf deiner KüsseDie Borte ertrug ich nich.

Weiterlesen

Lena Schmidt

die ferne die farne die sporneder erwartung der unsnoch blühenden berührungenentwachsen miralles ist gleichbleibend gründeine wärmedie telefonatedie farnedie schützen unsblühen nichtverblühen nichtsie treiben keine blütensie treiben lange arme:die sehnen die streckensich zwischen uns treiben siestrecken zwischen uns schieben unstreiben austreiben uns zueinander spornen uns antreiben uns auf die ewigen streckentreiben…

Weiterlesen

Julia Faß

Museumsnächte du gehstnachst in mein Museum,bestaunst Werke,klaust Gemälde,beschmutzt Säleund ich zähledie Diebstählemeiner Näheschon so langegar nicht mehr.Doch ich weiß,wie du weißt,eines Tages kommst du her,willst einbrechen,doch musst feststellen,dann ist mein Museum leer.

Weiterlesen

Julia Dorsch

vielleicht so: vielleicht so: jemand legt dich aus und sagt „Du bist mein Lager“denkst I stand-by auf repeat, brockst dem Kind Kuckuckskuchen ein,rundest auf, melkst Mäuse (der weiche Flaum am Bauch bei den Zitzen),stopfst Löwenmäulchen aus bis zum Zahnen, termingerecht, beißt selbst ins Filinchen, hörst dem Zutscheln zu, was abfälltbirgst…

Weiterlesen

Jona Zhitia

Nachbarschaften ich und Frau Nabramikov.ich kannte Sie nicht,Frau Nabramikov,Sie war ein nicken und ein halloim hausflursamstags ein gemurmeltes guten morgenFrau Nabramikov war die huschende gestalthinter der haustür, wenn ichein paket abholen musstevielleicht die Mutter von lauten söhnendie nachts manchmal mit ihren autos vor der tür parken undlaut schreckliche musik hörenund…

Weiterlesen

Jenny Weiß

Weit voneinander Zwischen verblühten Geranien, in frischem Heckenschnitt,kompostierbare Gespräche. Ziehe den Kopf ein, denke an Zoo-handlungen, Schildkröten. Denke an Köpfe in Panzern, gutversteckte Mansarden von Gedanken, ständig unterschätzt,ständig unter dem Radar, organisches Material im biologischenProzess. Finde mich wieder, meinen Organismus, instinktive Natur.Schraube Brombeermarmelade in Weckgläser, schraube festeGehirnmasse ein, überlieferte Verläufe…

Weiterlesen

Isabell Rosenkranz

Nächte deiner selbst In Sommer glüht die PappelkroneEin Duft, der in die Nacht hingehtAls du in deinen Armen liegestUnd Herzen deiner selbst umschlingst Es schreibt die Rinde lautlos LiederSacht in deine Haut hineinDort wo das TopAls du nichts merktestDer Nachte deinen Rücken bot Es tanzen reife Äpfel rauschendIn schwülen SommernächtearmenUnd…

Weiterlesen

Hannah Essing

geosmin du riechst nach erleichterung, lieblingnach dem moment wenn der himmel durchbricht und die trockene erde tränkt, die nach wasser betteltdeine tiefe verankert sich in meinem bodenoh gott, der himmel ist offenich will die arme ausstreckenund mich der kühle ergebenkomm näher, liebling dein geruch hängt an mir wochenlangschon ein einziger…

Weiterlesen

Eva Burmeister

Eingeweicht Reiskörner säumen meinen Mund, ich hab sie ausgespuckt, doch ihre Flugbahn durch die lose Spannkraft meiner Lippen eingeschränktHab keine Angst, sie sind ganz weichgekochtdu kannst sie mir von meinem rotgecremten Mundrand lesen Mit meinen Fingern kann ich jede Falte glättendie Haare wachsen einwärts, piksen nichtder Schorf ist abgeschliffen und…

Weiterlesen

Pauline van Gemmern

zwei walnüsse fürs hirn ich lese: obst und gemüse sehen oft ähnlich auswie die organe, für die sie gesund sind.zwei walnüsse fürs hirn, eine bohne für die niere.ob sich das so übersetzen lässt, ich möchte das nutzen:die dinge instrumente nennen.               zum beispiel nur noch menschen küssen mit herzgewölbten mündern und…

Weiterlesen

Katia Sophia Ditzler

WIR STAMMEN VOM SELBEN EUKARYOTEN AB [BLOCKSATZ ZUM THEMA LIEBE: KOHLENSTOFF Ø-ATOMMASSE 12, 011] wir stammen vom selben eukaryoten ab, wie übrigens alle anderen auch. offenbar kämpften wirauch gegen die gleichen kometen, wir schwammen in der lava, irgendwann spiralisierten sich dieaminosäuren, und die liebe war geboren. wir teilten uns, wir…

Weiterlesen

Charlotte Florack

apfelstiegen das wachsen bemerkten alle erst beim erntennun das aufgeklaubte im kühlen und trockenen kistenhier liegt alles ohne zwischenräume nur grasaltsommergerucham selben stiel hängen, schwer werden, fallen, nicht weit vom stammist noch immer ein sturz, die vertrauten formen betastensich unter die wachsschale fühlen, darunter kleine schwarze irrlichterein körperimkörperduett, bis zum…

Weiterlesen

Ronya Othmann

garn, zwirn, faden, stich an einem stück seife hast du die abnutzung der wochen gelesen. an deinen händen hast du gelesen, was sietrugen, die arbeit der sommer. du hast gelesen an den bergen die grenze, an deinem dorf sein schwinden. ich trug melonen. die melonen trug ich in einem sack,…

Weiterlesen
Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten